+ Zur Systematik der International Encyclopedia…/IEUS

Chronologie und Monografiefolge

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Editionspläne und erschienene Bände

Mit Ergänzung: Inhaltsverzeichnis V.1.1 und dt. Übersetzungen

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International Encyclopedia of Unified Science –IEUS
Otto Neurath zu: Isotype-Thesaurus

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Autoren der FOUNDATIONS OF THE UNITY OF SCIENCE (= Vol.1 + 2 of: »International Encyclopedia… / IEUS«)

(in Vorb.)

Charles MORRIS
Zur Geschichte der INTERNATIONAL ENCYCLOPEDIA OF UNIFIED SCIENCE *

Rudolf Carnap (1) nahm 1936 eine Professur für Philosophie an der University of Chicago an,  das erste Mal getroffen hatte ich ihn aber bereits 1934 bei einem Besuch in Prag(2). Otto Neurath (3) kam 1936 nach Chicago und wir drei trafen uns mit Donald P. Bean von der “University of Chicago press“, um ihm die Publikation einer »International Encyclopedia of Unified Science vorzuschlagen«(4); der Vertrag dazu wurde dann im Februar 1937 unterschrieben.
Bis Carnap die University of Chicago 1952 verließ, arbeiteten wir in der Enzyklopädiesache eng zusammen und bis zum Tode Neuraths 1945 hatte jeder von uns eine umfangreiche Korrespondenz geführt und dabei die Kopien der eigenen Briefe untereinander ausgetauscht. Während ich dies schreibe, türmt sich auf meinem Schreibtisch ein gut einen Fuß hoher Briefstapel aus diesen Jahren. Die meisten davon habe ich anlässlich dieser Ehrung an Carnap wieder gelesen; und einige historische Fakten, die ich damit retten konnte –insbesondere zur Encyclopedia– erscheinen mir interessant genug, um sie hier kurz aufzuschreiben.
Ursprünglich war die Encyclopedia Neuraths Idee. In einem Brief von 1935 schrieb er, dass er an dem Projekt zumindest seit dem frühen 1920 arbeitet. Das erste Mal hatte er darüber mit Einstein und Hans Hahn (5) gesprochen und frühe Gespräche dazu auch mit Carnap und Philipp Frank (6) geführt. Als Neurath in den 1930er-Jahren mit dem Mundaneum-Institut in Den Haag war (7), hat er da das Unity of Science Institute als eine Abteilung eingerichtet, das 1937 in International Institute for the Unity of Science umbenannt wurde, und dessen Vorstand aus Frank, Neurath und Morris gebildet wurde. Ebenso etabliert wurde das “Organisationskomitee für die Enzyklopädie der Einheitswissenschaftt“… Das Enzyklopädieprojekt im Allgemeinen wurde dann am “First International Congress for the Unity of Science“diskutiert, der es auch per Abstimmung beschloss (8). Wie diese Details deutlich machen, war die Idee für die Enzyklopädie dem Kongress vorausgegangen (9).
Mein Briefwechsel enthält drei ausführliche Beschreibungen Neuraths zu seinen Encyclopedia-Ideen: eine fünfseitige Darstellung von 1936, eine aus vier Seiten bestehende von Februar 1937 und eine vierseitige Diskussion von Juni 1938. Dazu noch viele zurückreichende und spätere, die sich auf diese Vorschläge beziehen. Ersichtlich wird daraus, dass Neuraths Vorstellungen sehr weitreichend waren: Ergänzend zu den zwei Einleitungsbänden, jeder aus zehn einzelnen Monografien bestehend (10), mit dem Abteilungstitel „Foundations of the Unity of Science“ dachte Neurath an zwei (und bisweilen an drei) weitere umfangreiche Abteilungen.
Für diese weiteren Abteilungen konnten wir drei uns zwar nicht auf geeignete Titel einigen, klar war jedoch der generelle Plan. Abteilung 2 sollte ‘methodische Probleme‘ in den speziellen (Einzel-) Wissenschaften und der Systematisierung der Wissenschaft behandeln, und dabei die Konfrontation und Diskussion unterschiedlicher Sichtweisen besonders hervortreten.  Die 3. Abteilung sollte sich mit dem ‘aktuellen Stand der Systematisierung‘ innerhalb der Spezialwissenschaften und den erreichbaren Verbindungen zwischen diesen beschäftigen; mit der Hoffnung, damit die weitere Systematisierung zu fördern. Neurath dachte 1938 an sechs Bände für die Abteilung 2 (mit 60 Monografien) und eine achtbändige der dritten (mit 80 Monografien). Doch es gab sogar noch mehr Ideen in seinem ‘Ideenkoffer‘.
Neurath hatte lange einen umfangreichen Visual Thesaurus geplant (den er bisweilen auch ‘Bild-‘ und auch ‘Isotype-Thesaurus‘ nannte (11)), der „eine Weltübersicht in Bildern“(12) werden sollte. Zeitweise dachte er dabei an eine mögliche Ergänzung zur Enzyklopädie (13) und entwarf dabei eine 4. Abteilung. Diese würde die Methoden und Anwendungen der vorausgehenden drei Abteilungen in einzelnen Bereichen darstellen, etwa  der Erziehung, der Technik, des Rechts und der Medizin (14). Beabsichtigt hatte Neurath dazu zehn Bände (15) für diese Abteilung von denen jeder ein entsprechendes Pendant im “Visuellen Thesaurus“ haben würde.  In den am weitesten gehenden Vorschlägen bestünde die Encyclopedia somit aus 26 Bänden (260 Monografien), ergänzt um einen zehnbändigen  Isotype-Thesaurus. …

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* © Orig. publ. 1962 in: Logic and Language – Studies dedicated to Prof. Rudolf Carnap on the occasion of his seventieth birthday. Reidel Publ. Comp., Dordrecht.
Übersetzung/translation: P. Bettelheim (peter@bettelheim.info)
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Anmerkungen
(1) Carnap war ein wesentlicher Repräsentant des “Wiener Kreises“ und gemeinsam mit Neurath und Hahn im Auftrag des “Vereins Ernst Mach“ Herausgeber der sog. ‘Programmschrift‘ Wissenschaftliche Weltauffassung – Der Wiener Kreis v. 1929. In der Enzyklopädie erschienen von ihm a) gemeinsam mit anderen  1938: „Encyclopedia and Unified Science“ =V1.1**; b) „Foundations of Logic and Mathematics. (1938)“ = V1.3.
(2) „Vorkonferenz des Ersten Internationalen Kongresses für Einheit der Wissenschaft“.
(3) S.: (1); Neuraths Texte in der Enzyklopädie: a) gemeinsam mit anderen  1938: „Encyclopedia and Unified Science“= V1.1.; b) „Foundations  of the Social Sciences. (1944)“ =V2.1. (s.d.:> http://www.bettelheim.info/chronologie-und-monografiefolge-v-1-1-–-v-2-10-der-international-encyclopedia-ieus/ <)
(4) Nach Antrag von Morris und Beschluss zur Herausgabe bzw. die Zusammensetzung des Herausgeberkomitees (u.a. Carnap, Ph. Frank, Morris, Neurath) 1935 am „Ersten  Internationalen  Kongress für Einheit der Wissenschaft“ in Paris;
(5) S.: (1)
(6) Von Frank, ebenfalls ein wichtiger Repräsentant des “Wiener Kreises“, erschien in der Enzyklopädie „Foundations of Physics (1946)“=V1.7.
(7) Das Mundaneum –als ‘dezentralisiertes‘ “Weltmuseum“ intendiert („Mundaneen, d.h. Museen über die Entwicklung der Menschheit“ In: ON3 (1930): 145)– mit der  Internationalen  Stiftung für Bildpädagogik / Internationale Stichting voor Beeldpaedagogie
in Den Haag war für Neurath der erste ‘Fluchtort‘ aus Wien nach der politischen Machtübernahme durch den klerikal-ständestaatlichen ‘Austro-Faschismus‘.
(8) S. dazu (4)
(9) Diesem “Ersten Intern. Kongress“ folgten –trotz Faschismus bzw. Nationalsozialismus und bereits befürchtetem Weltkrieg– noch weitere: 1936 Kopenhagen, 1937 Paris, 1938 Cambridge-GB, 1939 Cambridge- Mass./USA.
(10) Vgl. dazu V.1.1 – V.2.10 auf: http://www.bettelheim.info/chronologie-und-monografiefolge-v-1-1-–-v-2-10-der-international-encyclopedia-ieus/
(11) Auch: “Zivilisationsatlas“, “Universallexikon“, “Universalatlas“, “Symbollexikon“,  “Internationales Zeichenlexikon“ (s.d:> http://www.bettelheim.info/otto-neurath-zu-isotype–thesaurus/ <)

Erstaunlich an der ‘Paraphrasierung‘ ist, dass Neurath trotz jahrelanger und intensiver Arbeit in einerseits wissenschaftssprachlicher Hinsicht und andererseits gerade in enger Zusammenarbeit mit dem Semiotiker Morris an der Enzyklopädie nicht (bzw. erst später präzise) daran denkt, dass auch (geschriebene) Sprachzeichen visuellen Charakter haben; die ‘Aufhebung‘ des Terminologieproblems gelingt erst mit dem ISOTYPE-begriff (11.a) und damit adäquat für die Enzyklopädie Isotype-Thesaurus bzw. –Lexikon.
(11.a) S.dazu: http://www.bettelheim.info/visualisierung-verbildlichung/infografik-und-bildstatistik/)
(12) Orig. in Deutsch
(13) „In dieser Zeit tritt wieder einmal die Idee einer internationalen Enzyklopädie in den Vordergrund. Das Isotype-System und die Enzyklopädie sind in gleicher Weise Teil der Arbeit des Mundaneum-Instituts, und es scheint eine wichtige Parallelen zwischen ihnen zu bestehen. “ In: ON3 (1936): 395)
(14) Vgl. dazu die umfangreichen Pläne, Arbeiten und Projekte in Wien 1923/24-1934 v. allem im Rahmen des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums.
(15) Jeweils zu 10 Monografien wie bei den anderen.

** Sigeln:
Vx.y = Volume x.y; x(1,2), y(1,…,10) der erschienenen Monografien.
ON3 = Otto Neurath–Gesammelte bildpädagogische Schriften. Hg.: R. Haller u. R. Kinross; Wien 1991, Hölder-Pichler-Tempsky.