+ Infografik und Bildstatistik

Konstruktions’elemente’ für Infografiken

grafik

Kurzfassung:
Bildstatistiken bilden innerhalb des gesamten Feldes der informativen Grafiken einen ‘eigenen‘ Bereich: Sie sind grafische Verbildlichungen statistischer Daten, die in durchaus unterschiedlichen Formen (als Balken-, Torten-, Kurvendarstellung…) einen raschen und ganzheitlichen (”auf einen Blick“) Überblick ermöglichen. Gerade diese ‘Simplizität‘ der Darstellungsform schafft allerdings auch ein visuelles Problem: Die Referenz der ‘Abbildung’ (der ‘reale‘ Sachbezug) ist nicht wieder erkennbar; eine mögliche Lösung ist das von O. Neurath und seinen Mitarbeiter/inne/n entwickelte System ISOTYPE.

INFOGRAFIK UND BILDSTATISTIK
In dem gesamten Komplex von Verbildlichung und Wissen nehmen bildstatistische Repräsentationen und die allgemeineren Infografiken (klassisch Schaubild genannt) in ihrer jeweils spezifischen Medialität und in den Traditionen der Geschichte der Bildlichkeit (als Teilaspekt der Bildwissenschaft) eine Sonderstellung ein (ZUR GESCHICHTE). Insbesondere gilt das für Bildstatistiken, die trotz der variablen grafischen Darstellungsweisen als ‘Torten’, ‘Balken’ etc. (PUBLIKATIONEN) grundsätzlich auf einer –durchaus simplen– visuellen Grammatik begründet sind, ohne die keine derartige Darstellung ‘lesbar’ wäre: Ebenso wie bei der Sprache ist die mediale Semiotik erst im ‘Handlungsprozess’ bei synchroner Aktivierung von implizitem System und Inhalt –die kulturell und medial codierte ‘Nachricht’ (s. dazu: Verbildlichung und SPRACHE, WISSENSCHAFTLICHKEIT)– verstehbar, also der Sinn zu kommunizieren. (Dass, allerdings, gegenwärtig die meisten in öffentlichen Medien –Zeitungen, TV, Internet…– präsentierten Bildstatistiken fast nur in Verbindung mit erläuternden Texten verständlich werden, ist ein Problem der –bildnerischen– Qualität.
Bildstatististiken (’Pictorial Statistic-Charts’) sind grafisch-symbolische Darstellungen (Mengen-Vergleichs-Grafiken) von -meist- statistischen Daten in (2- oder 3-dimensionaler) Form als segmentierte Kreise, ‘Fieberkurven’ (’Graphen’) oder semiotisch elaborierte Symbolmengen (ISOTYPE-System von Otto Neurath, Gerd Arntz, Marie Reidemeister-Neurath u.a.). Derartige Modi der (Re-) Präsentation von Daten/ Fakten ermöglichen eine quasi ‘ganzheitliche’ -syn[chro]noptische- (Über-) Sicht von (komplexer) Ganzheit und den (strukturierten) Anteilen, Vergleiche oder Trends als Kurven, also ein leichteres und übersichtlicheres Lesen als etwa Tabellen. Damit sind Bildstatistiken eine –oft ergänzende– Variante wissenschaftlicher Darstellungsformen, die die Möglichkeiten des Mediums Bild/ Bildgrafik nutzen. Medientypologisch bilden sie, vom selbsttragenden Informationsgehalt als Unterscheidungsmerkmal gesehen, so eine Teilgruppe der Infografiken (Infographics). Aus einer differenzierteren Charakterisierung nach Auswahl und ‘Verdichtung’ von Information, spezifischer Symbolik, sowie Vemittlungsfunktion und Erkenntnisgewinnung gelingt eine explizit ‘abgrenzende’ Gegenüberstellung.
Mit den Möglichkeiten digital erstellter Grafiken zum einen und den hochkomplexen Verfahren der Statistik zum anderen, nehmen in den letzten Jahren bildstatistische Darstellungen zu. Von einfachen Balkendiagrammen bis zu ‘bewegten’ Kreissegmenten in Druckmedien, am TV-Schirm oder am Monitor kommen solche ‘Visualisierungen’ dem Bedürfnis nach rascher Übersichtlichkeit sehr entgegen. Da dabei, aber, oft auch entscheidende Informationsteile ‘verschwinden’, erhalten die QUALITÄTSFRAGE und auch die Momente der ÄSTHETIK und ETHIK von Bildstatistiken und Infografiken einen erhöhten Stellenwert.

Literaturauswahl
Ebeling, Werner u.a. 1988: Komplexe Strukturen- Entropie und Information. Stuttgart
Cleveland, William 1996: Visualizing Data. Murray Hill 1993
Jansen, A. und Scharfe, W. 1999: Handbuch Infografik. Bln. u. Heidelberg
Kornwachs-Jacoby K. Information. New Question to a Multidisciplinary Concept. Berlin
Neurath, Otto 1991: Visuelle Hilfsmittel und Argumentieren. In: Gesammelte bildpädagogische Schriften. Hg.: R. Haller u. R. Kinross. Wien
Tufte, Edward R. 1985: The Visual Display of Quantitative Information. Cheshire
Weidenmann, Bernd 1994: Wissenserwerb mit Bildern. Bern, Göttingen

Abstract:
Pictorial Statistic-Charts are graphical representations in a specific mode: A visual style of description for statistical data/ facts in modes of ‘bar-’, ‘circle-’ (”cake”) etc. -charts. The advantage of such visualization is the possibility reaching an overview ‘at first sight’ of the ‘depicted’ case.

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