+ Otto Neurath zu Isotype–Thesaurus*

(* © Otto Neurath–Gesammelte bildpädagogische Schriften. Hg.: R. Haller u. R. Kinross; Wien 1991, Hölder-Pichler-Tempsky)

Um die Veröffentlichung weiterer Tafelwerke, die mit Abbildungen aller Art ausgestattet sein werden, in die Wege zu leiten, hat das Gesellschafts­­- und Wirtschaftsmuseum in Wien zusammen mit dem Mundaneum in Brüssel, beauftragt vom Kongress des Weltverbandes der pädagogischen Vereinigungen in Genf, 1929 das Orbis–Institut gegründet. Seine Aufgabe ist einerseits, den internationalen Zivilisationsatlas (Orbis) vorzubereiten, andererseits Ausstellungen und Museen zu schaffen, die als Glieder eines Weltmuseums (“Mundaneum“) die Völker der Erde einander näherbringen sollen. (1930:145)

Die “International Foundation for the Promotion of Visual Education (by the Neurath Method)“ arbeitet zusammen mit dem “Mundaneum Institute The Hague“ an einem internationalen Zeichenlexikon mit mehr als 1000 Zeichen und an einer internationalen Zeichengrammatik, die die Regeln für die Zusammenstellung der ungleichen Zeichen enthält. Die Erfahrungen der modernen Werbepsychologie kommen hier natürlich zur Anwendung; aber während das Reklamebild bezweckt, alle Aufmerksamkeit allein auf sich zu ziehen und alle konkurrierenden Bilder in den Schatten zu stellen, werden die Bilder im bildpädagogischen Institut in Den Haag so dargestellt, dass jedes ein Kapitel in einem großen Buch bedeutet – eine Enzyklopädie in Bildern. Jedes Bild soll beim Betrachter den Eindruck aller anderen Bilder verstärken. So arbeitet das internationale Institut in Den Haag für die ganze Welt.     (1934:338)

Ein internationales Zeichenlexikon, das über Farben und Formen orientiert, wird früher oder später die Grundlage internationaler Pädagogik sein. Wir wollen dabei von wichtigen praktischen Vorteilen einer internationalen Bilderschrift ganz absehen.  (1937:272)

Ein Universallexikon aller Zeichen muss zentral ausgearbeitet und international verbreitet werden. Es empfiehlt sich, möglichst dieselben Zeichen für Mengenbilder, Kartogramme und Landkarten zu verwenden, soweit man nicht unterscheiden will: statistische Einheiten und bloße Sachbezeichnungen. Auf diese Weise würde eine Art internationaler Sachschrift entstehen, die den internationalen Verkehr wesentlich erleichtern würde. (1937:283)

Der Name Isotype bedeutet im Griechischen: Immer dieselben Typen verwenden. Das Rückgrat dieser Methode ist die Einheitlichkeit der visuellen Hilfsmittel: Das “visuelle Lexikon“, das mehr als 2000 Symbole enthält; die “visuelle Grammatik“, welche besondere Regeln für die Anordnung und Zusammensetzung von Symbolen enthält; der “visuelle Stil“ beruht auf der “Transformation“, durch welche Ideen veranschaulicht werden können. Es ist wichtig zu wissen, dass Isotype keine Regeln angibt, nach denen automatisch Wörter oder Zahlen in Bilder übersetzt werden können. Es genügt nicht, langweilige Zahlenfolgen durch langweilige Symbolfolgen zu ersetzen. (1937:413)

Das Isotype-Lexikon setzt sich aus mehr als 2000 solcher Symbole zusammen, die Menschen, Maschinen, Bäume, Tiere, Lungen, Hochöfen, Glühlampen und andere Dinge oder Gruppen solcher Dinge darstellen. Nicht nur die Form, sondern auch die Farbe eines Symbols kennzeichnet etwas. … Das “Mundaneum Institut Den Haag“ widmete sich hauptsächlich der vorbereitenden Arbeit zu einem Isotype-Thesaurus, einem neuen Typ bildhafter Enzyklopädie, deren einzelne Bände von der Art von Gesellschaft und Wirtschaft sind. (1942:591f)